Donnerstag, 13. September 2018

Im Test: Jack Daniel's Old No 7




Jack Daniel's Old No 7 Tennessee Whiskey
Herkunft: USA
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: Brown-Forman
Gattung: Tennessee Whiskey
Preis: Circa 20 Euro für 0,7 Liter
Geschmack: Holzig, Eiche, Vanille, Kratzig, Stark



Fast jeder kennt ihn. Selbst, wer ihn noch nie probiert hat, kennt ihn. Sei es der minderjährige Junge der Nachbarn, der seine ersten, grässlichen Erfahrungen mit Alkohol macht oder die freche Göre eine Straße weiter, die ein Jack Daniel's Logo-Shirt trägt und nicht einmal weiß, was die überhaupt herstellen. Der Jack Daniel's Old No 7 darf in keinem Club fehlen, wo man auch Whiskey Cola bestellen kann und selbstverständlich auch in keinem Supermarkt. Einer der bekanntesten Whiskeys der Welt darf natürlich auch nicht auf meinem Blog fehlen.

Ich blicke fast 15 Jahre zurück, wo ich mir zu meinem 18. Geburtstag eine Flasche Jack Daniel's von meinem Vater gewünscht habe. Natürlich nicht für mich alleine, sondern auch für ein paar Freunde, die mit mir anstoßen wollten. Voller Vorfreude wollte ich die Volljährigkeit kosten, die hier in Flaschen abgefüllt wird und so häufig in der Werbung zu sehen ist. Es war der erste Schluck, der mich glatt wieder in mein zwölfjähriges Ich zurückbeförderte. Den Whiskey pur zu genießen war eine furchtbare Idee, ihn später mit Cola und Eis zu strecken die weitaus bessere. Doch warum die kleine Anekdote? Nun, man könnte hier von jugendlichem Leichtsinn sprechen. Ich dachte mir, so kratzig schmeckt also die Volljährigkeit. Aber aus heutiger Sicht gesehen..... so ist es nicht die Volljährigkeit, die so schmeckt, sondern es ist einfach der Old No. 7. Egal ob man den Whiskey mit 18, 42 oder 80 trinkt, weder wird er milder, noch bekömmlicher und erst recht kein Feuerwerk der Aromen.
Etwas, was man bei einer Massenabfüllung wie den Old No. 7 auch nicht erwarten darf. Es gibt, fairerweise muss das gesagt werden, deutlich schlechtere Flaggschiffe, die nahezu ungenießbar pur sind während der Old No. 7 durchaus auch pur bzw. auf Eis getrunken werden kann. Der Jim Beam White Label ist so ein Whiskey, den man eher nicht pur trinken sollte (doch sogar hier gibts noch schlechtere Alternativen).

Jack Daniel's hat sich nie als Bourbon bezeichnet, auch wenn die Herstellung und Regularien sich sehr ähneln. Als Tennessee Whiskey (in den USA ein Dry County, wo der Konsum von Alkohol verboten ist) beworben, hebt man besonders das Charcoal-Verfahren hervor, wodurch der Whiskey seinen starken Charakter erhält. Und so viel ist sicher, die mild angehauchten 40% Alkoholvolumen (80,0 Proof) fühlen sich wesentlich stärker an. Über die Jahre ist der Old No. 7 etwas milder geworden wenn ich persönliche Erfahrungen mit einfließen lasse, aber dennoch sollte man sich hier von den 40% nicht blenden lassen. In der Nase aber auch geschmacklich kommt ein klassischer Bourbon ohne nennenswerte Charakteristika durch. Eiche und Vanille dominieren alles, eine Klebstoffnote haftet dem Old No. 7 nicht an. Für den klassischen Whiskey Cola oder aber auch diverse andere Longdrinks besitzt der Whiskey jedoch genug Pepp, um den Zweck dieser Drinks zu erfüllen.

Die Frage ist eher, wieso greift man zum Old No. 7, wenn man bereits für genau so viel Geld oder gar ein paar Cents weniger einen besseren American Whiskey bekommt? Nun, ich denke, darauf wird kaum jemand eine Antwort haben. Genau wie der Playboy Hase hat sich das Logo von Jack Daniel's über Jahrzehnte durch geschickte Vermarkung in die Köpfe der Leute eingebrannt. Der ungefähre Preis, wenn nicht im Angebot, liegt bei rund 20 Euro für eine 0,7 Liter Flasche. Für ein paar Euros mehr erhält man bereits den Gentleman Jack (wenns unbedingt Jack Daniel's sein muss), der dem Old No. 7 in allen Punkten und Facetten überlegen ist. Der Preis funktioniert hier absolut überhaupt nicht und rechtfertigt sicherlich auch nicht den Inhalt in der ikonischen Flasche.

Am Ende entscheidet jeder selbst, wofür er sein Geld ausgeben möchte. In einer ähnlichen Preisklasse spielen Premium-Bourbons wie Bulleit oder Wild Turkey. Es gibt zahlreiche namhafte und schmackhafte Alternativen die weit unter 25 Euro pro Flasche liegen (bei Bourbons wird man durchaus schneller fündig als bei europäischen Vertretern) . Es gibt, wie anfangs schon erwähnt, wesentlich schlechtere American-Whiskey als den Jack Daniel's. Aber es gibt auch keine Gründe, ihn wirklich zu kaufen. Selbst die heutigen Teens lassen sich für Instagram-Selfies lieber mit einer Flasche Skyy Vodka oder Moët Champagner ablichten.



Wertung: 37 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse