Samstag, 24. November 2018

Im Test: Auchentoshan Three Wood Single Malt





Auchentoshan Three Wood Single Malt Scotch Whisky
Herkunft: Schottland
Alter: Keine Angabe (Auf Kommentar im Test achten)
Alkoholvolumen: 43%
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Single Malt Scotch Whisky
Preis: Circa 40-50 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Reife Orangen, Reife Trauben, Sherry-Aromen, Eiche, Süße, Zimt, Nussig, langanhaltendes Finish


Der Auchentoshan Three Wood ist der beste Beweis dafür, wie exotisch eine schottische Kreation werden kann. Die Brennerei mit dem schwer auszusprechenden Name aus dem Scottish Gaelic (Aussprache: Ock-Un-Tosh-Un) produziert ausschließlich Single Malt Scotch Whiskys. Bereits seit Ende der 80er investierte der japanische Getränke-Riese Suntory in schottische Whiskys, seit 2014 läuft Auchentoshan über das Beam-Suntory Label. Sowohl die Amerikaner als auch die Japaner haben sich damit ein Stück dieses köstlichen schottischen Kuchens gekrallt.

Für Besucher ist die kleine Brennerei im westlichen Teil Schottlands stets geöffnet und zusätzlich mit besucherfreundlichen Preisen ausgestattet. Doch in dieser kleinen Brennerei wird auch eine menge produziert. Neben vielen Variationen mit Altersangaben, gibt es auch exotisch angehauchte Abfüllungen wie den Heartwood oder den American Oak. Als eine der wenigen schottischen Brennereien überhaupt destilliert Auchentoshan seine Whiskys dreimal. Diese dreifache Destillation sorgt für den unvergleichlich weichen Geschmack der verschiedenen Whiskys.
Die wohl bekannteste, aber auch am höchsten ausgezeichnete Variante ist der Three Wood. Der Name lässt es vermuten, hier spielen gleich drei Fässer eine Rolle. Obwohl der Three Wood schon sehr viele Jahre erhältlich ist, war Auchentoshan immer so bescheiden, ihn nicht mit einem Alter auf der Verpackung zu verewigen. Auf Anfragen aber auch Angaben auf der Website werden für den Three Wood 12-14 jährige Whiskys verwendet. Vermutlich mit ein bisschen Spielraum nach unten. Mit dem Verzicht der Altersangabe ist es somit möglich, selbst bei einer Knappheit die Bestände aufrecht zu erhalten, da man immer wieder auf ein paar jüngere Whiskys ausweichen kann. Man fährt wohl relativ sicher, wenn man davon ausgeht, dass hier Whiskys verwendet werden, die mindestens 10 Jahre alt sind.

In diesen langen Jahren lagert der Three Wood in drei verschiedenen Fässern. Angefangen bei der amerikanischen Eiche. Von dort aus geht es weiter in zwei verschiedene Sherry-Fässer. Erst wird der Whisky in den bekannten Oloroso Sherry-Fässern gelagert, anschließend in den weniger geläufigen Pedro Ximinez Sherry-Fässern. Bei dem Endprodukt muss man sich am Ende fragen, ob der Three Wood überhaupt noch ein Scotch Whisky ist, Denn hier kommt das beste aus allen Welten zusammen. Das Endergebnis ist ein ungeheuer komplexer, aromatischer Scotch Whisky. Vor allem für mich als Sherry- und Cognac-Fan wird hier so einiges durch die Lagerung in den Sherry-Fässern geboten. In die Nase steigt nämlich der Geruch von reifen Trauben. Zusätzlich macht sich eine so angenehme Süße breit, die einen regelrecht betört. Man könnte alleine schon einen Abend damit verbringen, die verschiedenen Aromen des Three Wood zu identifizieren. Aber wo würde da der Genuss bleiben? Der wahre Genuss breitet sich auf Zunge und Gaumen aus. Der Three Wood ist weich, allerdings nicht so weich wie ein Sherry oder Cognac. Hier macht er deutlich, dass er immer noch ein Whisky ist und sich ihm seine Kollegen unterordnen müssen. Die 43% Alkoholvolumen verleihen den richtigen Punch, jedoch wirkt der Alkohol nicht sprittig oder kratzig (wie es gerne mal bei einem Sherry oder Cognac der Fall ist). Die Aromen der drei verschiedenen Fässer lassen sich im Mund nieder und es folgt ein intensives, langes Finish. Nun werden auch Aromen einer sehr reifen Orange deutlich, Zimt, Nuss und selbstverständlich die amerikanische Eiche. Das dominante, lange Finish sticht hervor und man schmeckt den Three Wood auch noch sehr lange danach im Mund. Der Abgang ist grundsätzlich relativ trocken, was natürlich an der Reifung in den Sherry-Fässern liegt.

Der Auchentoshan Three Wood ist für mich ein herausragendes Geschmackserlebnis. Ich bin mir sicher, für einige Genießer könnte er sogar schon wieder zu komplex und aromatisch sein.
Aber was meinen persönlichen Geschmack angeht, so punktet der Three Wood in so ziemlich allen Kategorien. Eine Frage, die bleibt: Ist der Three Wood rauchig? Leute, die regelmäßig Scotch verköstigen würden hier wohl verneinen. Mir kommt es vor, als wurde ein wenig Rauch fein in die Aromen eingebunden. Er macht sich kaum bemerkbar, ist aber zumindest minimal enthalten. Doch genau so mag ich es.

Der Three Wood ist ein Single Malt, den ich mir immer und immer wieder zulegen würde. Weltklasse und meine Überraschung im Jahr 2018. Auch hier gilt es wie immer, auf Angebote zu achten, denn der Three Wood ist oft wesentlich günstiger als angegeben zu haben.


Wertung: 71 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Im Test: Jim Beam Rye Whiskey




Jim Beam Rye Whiskey: Pre-Prohibition Style
Herkunft: USA
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Kentucky Straight Rye Whiskey
Preis: Circa 15 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Saurer Apfel, Würze, Eiche, Vanille, Kräftiger Abgang


Der Rye Whiskey gilt als Vorläufer des Bourbon und ist ein prominentes Opfer der Prohibition. Denn über Jahrzehnte war der Urvater des American Whiskey in kaum einer Bar mehr zu finden und wurde durch den Bourbon nahezu komplett verdrängt. Seit einigen Jahren jedoch erlebt der Rye Whiskey ein beeindruckendes Revival. Einen Rye Whiskey im Sortiment zu haben gehört bei den kleinen wie auch großen Brennereien mittlerweile zum Pflichtprogramm. Selbst der irische Vertreter Kilbeggan wird in kommender Zeit für den US-Amerikanischen Markt einen Rye in limitierter Auflage anbieten. Das sogenannte Green Label ist beliebt wie lange nicht mehr. Doch was ist eigentlich ein Rye Whiskey? Nun, wie der Name schon sagt handelt es sich hier um einen Roggen-Brand. Der Geschmack ist dem Bourbon sicherlich nicht unähnlich, ist ein Rye aber wesentlich würziger und deutlich kräftiger im Geschmack. Wie viel Roggen tatsächlich in einer Abfüllung bei einem Rye enthalten ist, bleibt meistens ein Geheimnis des Herstellers (aber auch hier gibt es offizielle Vorgaben, die man erfüllen muss, um den "Kentucky Straight Rye Whiskey" Status zu erhalten). Bulleit verarbeitet in seinem Roggen-Vertreter sogar ganze 95% Roggenanteil, was eine echte Seltenheit ist.

Der Jim Beam Rye hat mittlerweile ein Re-Branding hinter sich. War er einst in bekannter Jim Beam Flasche mit gelben Label in Deutschland erhältlich, ist nun das Green Label in der neuen Flasche aktuell und trägt zusätzlich noch die Aufschrift "Pre-Prohibition Style". Die Variante, die hier in Europa vertrieben wird, unterscheidet sich grundsätzlich von der Abfüllung, die in den USA angeboten wird. Dort kommt der Whiskey nämlich mit 44% Alkoholvolumen daher, während er bei uns nur mit 40% angeboten wird. Dass es hier also erhebliche geschmackliche Unterschiede geben wird, dürfte wohl jedem bewusst sein.

Vor einigen Jahren kaufte ich, als das Yellow Label in Deutschland noch gängig war, zwei Flaschen für einen Old Fashioned Abend. Dabei hatte ich den Jim Beam Rye auch mal pur verköstigt und war positiv überrascht. Inwieweit sich der Geschmack zum jetzt angebotenem Green Label verändert hat, kann ich nach so einer langen Zeit nicht mehr sagen, aber der positive Eindruck bleibt bestehen. Der Jim Beam Rye ist ein ordentlicher, kostengünstiger Whiskey, der sich nicht nur für Cocktails hervorragend eignet, sondern auch in gemütlicher Runde pur im Tumbler genossen werden kann. Nicht zu komplex, aber auch in keinster weise nichtssagend. Geschmacklich befindet sich der Jim Beam Rye trotz des geringen Aufpreises deutlich über Beams Flaggschiff, dem White Label. Überraschend sind die angenehmen Fruchtnoten in der Nase, die an saure, grüne Äpfel erinnern. Der Alkohol ist weder beißend in der Nase noch kratzig im Hals und der Körper macht auch keinen verwässerten Eindruck. Der Jim Beam Rye überfordert niemanden was Aromen angeht, eignet sich aber als überraschend eleganter Begleiter, wenn man nach einem stressigen Tag einen einfachen Drink zu sich nehmen will. Das Finish ist recht kräftig und noch für einige Zeit auf dem Gaumen zu spüren.

Der Jim Beam Rye krallt sich bei den Punkten somit alles, was für einen Whisk(e)y in dieser Preisklasse möglich ist. Wer sich mal kostengünstig in die Welt der Roggen Whiskeys tasten will, der sollte dem Jim Beam Rye eine Chance geben. Wenn man ein paar Euros mehr drauf legt bekommt man auch schon den ausgezeichneten Bulleit Rye. Wer aber bei Jim Beam bleiben möchte, sowohl für Whiskey Cola, Cocktails wie den Old Fashioned oder dem Manhattan, oder auch einfach mal für ein unkompliziertes Erlebnis im Tumbler,  der investiert die 2-3 Euro mehr (gegenüber dem White Label) und greift zum Rye.



Wertung: 49 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse 

Samstag, 10. November 2018

Kommentar: Bulleit - Voller Geschmack bei wenig Tradition




Die Amerikaner sind stolz auf ihren Great American Whiskey. Angefangen weit zurück in der Historie ihrer Kultur beim Vorreiter des Bourbon Whiskey, dem Rye Whiskey, bis hin in die Moderne, wo neue Bourbon-Kreationen immer ausgefallener und raffinierter werden. Da könnte man beinahe schon vergessen, dass es von den Nachbarn auch noch den oft übersehenen Canadian Whisky gibt.

Wenn man sich eine Flasche Bourbon (oder Rye) kauft, so bezahlt man für die Tradition gleich mit. Der Name drückt dem Produkt seinen Stempel auf und sorgt für den letzten Feinschliff. Mit einer langen Historie schmeckt der amerikanische Whiskey noch einmal etwas besser. Oder nicht? Nun, ich mache kein Geheimnis daraus, Tradition bei Whisk(e)ys ist nicht unwichtig. Die Destillen der verschiedenen Hersteller locken jährlich eine menge Besucher an und kurbeln mitunter die Wirtschaft der jeweiligen Orte an. Besonders der Bundesstaat Kentucky, wo eine große Brennerei der nächsten folgt. Seit 1999 existiert der "Kentucky Bourbon Trail", der Touristen auf eine 100 Kilometer lange Wanderschaft schickt, bei der man 9 der bekanntesten Bourbon-Brands besuchen kann. Traditionsreiche Hersteller wie Jim Beam, Maker's Mark, Wild Turkey oder Four Roses dürfen da natürlich nicht fehlen. Doch überraschend findet man dort auch eine Mikro-Brennerei von Bulleit. Warum dies so überraschend ist, dazu gleich mehr.

Blicken wir auf die Fußballbundesliga zurück. Tradition spielt auch in diesem Geschäft eine große Rolle. Von Investoren übernommene Vereine oder neu gegründete Vereine haben einen schweren Stand. Da müsste man meinen, die Amerikaner mit ihrer langen Whiskey-Tradition, würden eine ähnliche Philosophie pflegen. Aber dem ist nicht so. Die großen Brennereien wie Jim Beam oder Four Roses befinden sich beide beispielsweise in japanischen Händen. Hinter nahezu allen großen Brennereien steckt ein großer Konzern, der die Marke aufgekauft hat. Doch verhält es sich hier anders als in anderen Branchen. Die neuen Eigentümer beeinflussen das Geschäft der traditionellen Brennereien in nur sehr seltenen Fällen. Besonders die Japaner respektieren die Tradition dieser Brennereien sehr. Bei Beam-Suntory hält man sehr große Stücke darauf. Bei Four Roses brachte der Eigentümer Kirin die ursprüngliche Tradition und Philosophie der Brennerei sogar zurück.

Doch dann gibt es da auch noch einen mittlerweile sehr bekannten Bourbon, der bis vor knapp zwei Jahren nicht einmal eine eigene Brennerei besaß. Die Rede ist hier vom Bulleit Whiskey. Definitiv ein gewichtiger, gut klingender Name. Wie spricht man den aus? Nun, das "I" in Bulleit ist stumm und so ist die korrekte Aussprache "Bullet", wie das amerikanische Wort für Kugel/Geschoss. 
Wollte man vor einigen Jahren noch die auf der Flasche angegebene Brennerei in Lawrenceburg Kentucky besuchen, wurde man entweder schräg angeschaut oder direkt an die Kirin Brewing Company weitergeleitet, dort wird der Whiskey nämlich größtenteils abgefüllt (auch bekannt als Four Roses Brennerei). Eine eigene Brennerei, die in den kommenden Jahren die größten Geschicke übernehmen soll, wurde 2017 eröffnet. Mit einem Budget von $115 Millionen hat man sich den Spaß auch einiges kosten lassen. Doch mann kann es sich erlauben, denn Bulleit expandiert mindestens genau so schnell, wie man die kurze Geschichte der Marke nachschlagen kann.

Aber wer genau steckt hinter Bulleit Whiskey? Nun, die Marke ist unverkennbar verknüpft mit einem Mann, der Ende der 80er seinen Beruf als Anwalt aufgab und anschließend seinen eigenen Whiskey produzieren wollte. Tom Bulleit, der Namensgeber. Tom Bulleit ist nach meinen spärlichen Informationen, die ich ergattern konnte, weder ein Master Distiller, noch ist er ein Master Blender. Tom Bulleit ist allen voran ein Geschäftsmann. Die Geschichte, so Bulleit, geht wie folgt: Sein jetziges Rezept für den Bourbon basiert auf einem alten Familienrezept seines Ur-Ur-Großvaters Augustus Bulleit, der die Marke 1830 etablierte. Augustus Bulleit verschwand 1860 spurlos und der Whiskey sowie sein Rezept gerieten in Vergessenheit. Die Authentizität von Tom Bulleits Geschichte konnte bis heute weder bestätigt, noch widerlegt werden. Beeindruckend ist aber allemal, wie sehr die Firma an dieser abenteuerlichen Geschichte festhält.

Bulleit kam seinem Traum näher und schloss sich mit dem kanadischen Konzern Seagram zusammen. Der damals noch junge und heutige Getränke-Megakonzern Diageo kaufte anschließend etliche Anteile von Seagram und ergatterte dadurch auch Bulleit Whsikey. Der Rest, könnte man nun sagen, ist Geschichte. Erst kurz vor Ende der Jahrtausendwende ist der Bourbon von Tom Bulleit im Handel erschienen. Kurze Zeit später ist eine Export-Variante mit weniger Alkoholvolumen (40% statt 45%) auch in Deutschland erschienen. Seit einigen Jahren wird die Originalabfüllung auch in Europa größtenteils angeboten, ausgenommen davon ist aktuell noch Dänemark sowie, etwas sehr weit entfernt von uns, Australien.

Obwohl Diageo hinter Bulleit steckt, so ist das Marketing weitaus weniger aggressiv als bei ihren anderen Brands wie Smirnoff Vodka oder Johnnie Walker Scotch Whisky. Stattdessen wird hier eher "Word of Mouth" betrieben. Der Whiskey entwickelte sich von einem Geheimtipp zu einem Topseller. Beim Angebot von Bulleit geht man es ebenfalls sehr langsam an. Bis vor einigen Jahren war der Bulleit Bourbon das einzige Produkt der Firma. 2011 kam ein gefeierter Rye Whiskey dazu (Bulleit 95 Rye), das sogenannte Green-Label. Erst seit 2013 bietet man mit dem Bulleit 10 Year ein Produkt mit Altersangabe an. Eine etwas seltenere Abfüllung ist der Bulleit Barrel Strenght, der direkt vom Fass abgefüllt wird.

Doch wie hat es der Whiskey geschafft, sich einen Name zu machen? Lag es an der steten Präsenz von Tom Bulleit oder den einzigartigen Flaschen? Vermutlich kann man hier viele Gründe nennen, aber der wohl größte Trumpf von Bulleit ist wohl der sympathische Preis. In der Preisklasse 20-23 Euro macht Diageo hier eine Kampfansage (der Rye ist minimal teurer als der Bourbon, 25 Euro). Selbst der Bulleit 10 Year ist mit seinen rund 35 Euro sehr schonend für den Geldbeutel. Für das, was Bulleit bietet, so bekommt man in der Preisklasse nur wenig bessere Bourbon oder Rye Whiskeys (dafür natürlich viele gleichwertige Vertreter in einer ähnlichen Preisklasse).

Und auch mich hat Bulleit überzeugt. So erlangte der Bulleit Frontier Bourbon Whiskey in meinem Test 61 von 75 Punkte. Der Bourbon ist eine äußerst süffige Angelegenheit. Eine genaue Altersangabe gibt es nicht, der Hersteller gibt jedoch eine Reifung zwischen 4-6 für den Exportmarkt und 5-6 Jahre für den heimischen Markt an. Bei sämtlichen Abfüllungen handelt es sich um Small Batch Abfüllungen. Da die Nachfrage von Jahr zu Jahr steigt, wird man die Produktion stetig erhöhen.
Besonders durch seinen ungewöhnlich hohen Anteil an Roggen hat der Bourbon weltweit viele Fans gewonnen, die genau diesen würzigen, kräftigen Aspekt des Whiskey enorm schätzen. Und auch ich zähle mich eindeutig zu den Fans.

Tom Bulleit ist noch nicht am Ende seines Traumes angekommen. Mit der Eröffnung einer eigenen, großen Brennerei ist er seinem Ziel aber einen Schritt näher gekommen. Geschmack hat in diesem Falle die Tradition geschlagen. Bulleit wird, je mehr Jahre vergehen, seine ganz eigene Geschichte schreiben. Besonders für viele alteingesessene Hersteller begann die Zeitrechnung nach der Prohibition wieder von neuem. Die Bewohner von Kentucky haben die neue Brennerei in Shelbyville warm empfangen. Ein ungewohntes Bild, wenn ein Neuankömmling in einer traditionsreichen Gemeinde so wohlwollend empfangen wird.

Mittwoch, 31. Oktober 2018

Im Test: Jim Beam Single Barrel





Jim Beam Single Barrel
Herkunft: USA
Alter: Keine Angabe (Hinweis im Test beachten)
Alkoholvolumen: 47,5 %
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Kentucky Straight Bourbon
Preis: Circa 30-35 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Vanille, Kräftige Eiche, Exotische Gewürze, Frische Zitrusfrüchte, langer Abgang



Single Barrel Abfüllungen sind besonders bei Bourbon-Whiskeys derzeit angesagt. Bis heute ist es etwas umstritten, ob der Inhalt der Flasche wirklich nur von einem einzigen Fass stammt, aber in diesem Falle muss man sich auf Angaben der Hersteller verlassen (Kennzeichnung auf dem Etikett der Flasche) sofern man nicht bei der Produktion seiner Flasche dabei war. Anders als bei einem Small Batch Whisk(e)y ist bei einer Single Barrel Abfüllung die Wahrscheinlichkeit wesentlich größer, dass der Inhalt sich pro Flasche unterscheidet. Daher ist es immer schwer, einen Single Barrel zu bewerten, denn die nächste Flasche könnte schon wieder ein anderes Geschmackserlebnis bieten.

Der Jim Beam Single Barrel ist seit diesem Sommer auch in Deutschland erhältlich. Die von mir abgebildete Flasche aus meiner eigenen Sammlung ist ein Import. Das Design der Flasche, die man hier in Deutschland erwerben kann, unterscheidet sich komplett von der hier abgebildeten. Wer also nach dieser Flasche sucht, wird wohl auf den Signature Craft von Jim Beam stoßen, jedoch nicht auf den Single Barrel. Um unnötige Verwirrung zu vermeiden, findet ihr am Ende des Tests auch nochmal ein Foto zur aktuellen Variante.

Anders als der (von mir getestete) Signature Craft, der 12 Jahre reift, trägt der Single Barrel keine Altersangabe. Der Hersteller gibt eine Reifungszeit von 4-7 Jahren an, was eine Aussage für viel Spielraum lässt. So gesehen unterscheidet der Single Barrel sich nicht großartig von der Reifungszeit des ganz normalen Jim Beam White Label. Natürlich mit einem Twist, wie könne man sonst auch den Preisunterschied von mehr als die Hälfte erklären. Die Lagerung der Fässer für den Single Barrel befinden sich natürlich an wesentlich besseren Plätzen im Warehouse und werden unter wesentlich strengeren Kriterien ausgewählt. Jack Daniel's hat bereits mit seinem Single Barrel bewiesen, wie ausgezeichnet so eine Abfüllung sein kann. Und Jim Beam schließt sich da eigentlich auch nahtlos an. Der Single Barrel von Jim Beam ist ein ausgezeichneter Bourbon, dem vielleicht nur ein paar Nuancen fehlen, um zum einem herausragenden Bourbon zu reifen.

Vorweg sei gesagt, dem Genießer erwartet hier ein eher mildes Geschmackserlebnis. Obwohl die 47,5% (95 Proof laut Hersteller) mächtig anmuten, so bietet der Single Barrel ein relativ harmonisches Erlebnis, ohne aber zu schwächeln. Klebstoffnoten oder ein enorm intensives Bourbon-Aroma findet man hier nicht, es wirkt alles ausbalanciert. Nicht nur vom Geruch, aber auch geschmacklich wurden hier einige Erinnerungen an den Woodford Reserve, ebenfalls ein exzellent milder Bourbon, wach. Die größte Überraschung und vermutlich auch somit die größte Enttäuschung bei meiner Flasche ist der Antrunk. Besonders auf der Zunge ist der Single Barrel praktisch nicht anwesend. Ich habe das typische kribbeln und die typische Bourbon-Note auf der Zunge und am Gaumen vermisst. Doch dann macht er sich auf einmal doch bemerkbar, je länger man den Single Barrel im Mund behält. Den mäßigen Antrunk kontert er durch einen ausgewogenen Körper der dann eine kräftige Eiche mit sich bringt, die sich mit der für Bourbon typischen Vanille vermischt. Im Abgang folgen jedoch Aromen, die schwer zuzuordnen sind. Allen voran frische Zitrusfrüchte machen sich bemerkbar. Anschließend kommen exotische Gewürze hinzu, wie ich sie vorher bei einem Bourbon noch nie erlebt habe. Es ist sehr schwer, spezielle Gewürze herauszufiltern. Der Abgang hält überraschend lang an was man dann wohl auch endgültig der Single Barrel Abfüllung zu verdanken hat. Hier wurde nicht durch mehrere Fässer durchgemischt, der Konsument erhält die voller Power des einzelnen Fasses.

Der single Barrel von Jim Beam ist ein sehr interessantes Geschmackserlebnis und insgesamt gefällt er mir ein wenig besser, als der länger gereifte Signature Craft. Ob meine Wertung hier im Test final ist, kann ich nicht einmal sagen. Fest steht aber, es könnte von der Wertung her nur noch nach oben gehen. Sollte es solch eine Änderung geben, werde ich dies zusätzlich hier vermerken. Für ein noch genaueres Urteil müsste ich natürlich mal den Inhalt einer weiteren Flasche probieren. Doch auch die aktuelle Flasche kann sich noch einmal beweisen, denn, eine menge Whisk(e)ys beweisen noch einmal ihr Können, wenn sie schon etwas länger geöffnet sind.

Sollte ich demnächst noch einmal eine andere Flasche erwerben, wird es in diesem Test noch einen Nachtrag geben.




Wertung: 61 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse





In Deutschland erhältliche Flasche:

Montag, 22. Oktober 2018

Jameson Black Barrel Irish Whiskey



Jameson Black Barrel
Herkunft: Irland
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: Pernod-Ricard
Gattung: Blended Irish Whiskey
Preis: Circa 30 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Vanille, Honig, Eiche, Sherrynoten, Früchte



Der Jameson Black Barrel hat ein kleines Re-Branding hinter sich. Einst mit grüner Flasche als Select Reserve Black Barrel beworben, verkauft man ihn nun in einer durchsichtigen Flasche und trennte sich vom Select Reserve als Schriftzug, obwohl er von Jameson oftmals noch so betitelt wird.
Ich selbst bin kein großer Fan des Original Jameson, der wohl bekannteste Irish-Whiskey weltweit, den sogar die Amerikaner sehr gerne trinken. Ein wenig zu eigenwillig ist mir der Geschmack und ehrlich gesagt ist er mich auch ein wenig zu wässrig.

Von einem in massen abgefüllten Flaggschiff wie dem Jameson sollte man dann am Ende aber auch keine Wunder erwarten. Der Black Barrel kostet einfach mal die Hälfte des Preises vom Original mehr und wird von der Brennerei selbst als Premium-Produkt beworben. Bei diesem Blend werden mehrere exklusive Whiskeys verwendet. Darunter ein Small Batch Grain Whiskey, der, laut Verpackung, nur für den Black Barrel benutzt wird. Das besondere bei der Herstellung sind jedoch die Fässer, die für diesen Blend ohne Altersangabe ausgewählt werden. Der Inhalt wird sowohl in amerikanischer Eiche, in Sherryfässern als auch in ausgebrannten Bourbonfässern gelagert. Eine interessante Mischung, oder?

Um ehrlich zu sein, ich fand den Black Barrel überraschend öde. Geschmacklich unterscheidet er sich nicht einmal so sehr von dem von mir getesteten Glenmorangie Original. Natürlich kommt der Black Barrel mit einem irischen Touch daher. Was mir beim schottischen Glenmorangie jedoch gut gefällt, kommt beim irischen Black Barrel von Jameson nicht wirklich zur Geltung. Er ist angenehm mild und auch aromatisch, aber irgendwas fehlt einfach. Vielleicht sind es dann doch auch die großspurigen Werbeaussagen, die etwas mehr versprechen, als er bietet. Selbstverständlich ist der Black Barrel ein großes Update zum Original Jameson und per se auch ein anständiger irischer Whiskey, aber es fehlt dann doch das gewisse "Etwas", um aus der Masse hervorzustechen. Es ist dann doch vermutlich die Mischung aus Irish Pot Still Whiskeys und Grain Whiskeys, die mir nicht so recht zusagen will.

Ansonsten ist es relativ schwer, den Black Barrel zu bewerten. Das Finish, was noch einmal die verschiedenen Fässer zur Geltung kommen lässt und die frischen Früchten betonte, sagte mir zu. Jedoch habe ich dann doch genug andere Vertreter getrunken, die sich in den entscheidenden Punkten mehr durchsetzen konnten oder irgendwas geboten haben, was man bei anderen Whiskys/Whiskeys nicht findet. So kommt der Black Barrel bei mir vielleicht etwas schwächer weg, als er eigentlich ist. Aber komplett überzeugt hat er mich halt auch nicht, weswegen es nicht zu einer stärkeren Punktzahl am Ende reicht. Wer ihn probieren möchte, sollte vielleicht erst einmal Angebote abwarten.



Wertung: 48 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Im Test: Glenmorangie - The Original



Glenmorangie The Original
Herkunft: Schottland
Alter: 10 Jahre
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: Moet-Hennessy Louis Vuitton (auch bekannt als LVMH)
Gattung: Single Malt Scotch Whisky
Preis: Schwankend zwischen 30-35-40 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Süße, Honig, Milder Geschmack, Vanille, Früchte


Einer der meist verkauften Single Malt Scotch Whiskys in Schottland und vermutlich auch weltweit. Bei dem enormen Angebot, welches Glenmorangie im Sortiment hat, ist der 10 Jahre alte "The Original" ihr Flaggschiff und dient auch gerne mal als das optimale Geschenk zur Weihnachtszeit. Überraschend bei dieser Massenabfüllung ist jedoch, wie Glenmorangie es schafft, geschmacklich im oberen Bereich zu liegen. Und so gibt es über diesen anständigen, süffigen Single Malt Scotch gar nicht mal viel zu schreiben.

Der Glenmorangie ist nicht dafür bekannt, ein besonders intensives Geschmackserlebnis zu bieten. Und das ist auch gut so. Was man hier bekommt ist eine ganz abgerundete Sache. In der Nase ist der Glenmorangie mild und schnell bemerkt man das Aroma von Vanille, was vermutlich den Ex-Bourbon Fässern zu verdanken ist. Die 40 Volumenprozente sind auch genau das, was sie sein sollen. Der 10 Jahre alte Glenmorangie ist weich (aber nicht wässrig), kein bisschen kratzig oder rauchig. Aber all das macht ihn nicht zu einem Langweiler. Besonders im Abgang gibt es nämlich noch einen schönen Fruchtcocktail, den man bei einem Scotch nicht unbedingt erwarten würde.

Man liest es, oder? Der Glenmorangie ist zahm, nicht bissig. Genau das macht ihn zum "Mainstream-Whisky", was ihm gerne mal negativ ausgelegt wird. Ist aber völliger Unsinn. Man kann diesen schottischen Vertreter uneingeschränkt genießen und besonders Freunden in geselliger Runde anbieten. Hier kann man auch gerne mal ein Gläschen mehr trinken am Abend. Obwohl es keine wirklich dominierenden Aromen gibt, die auf der Zunge haften bleiben (wie bei einem rauchigen Scotch oder intensiven Bourbons), so ist der Abgang überraschend langanhaltend und hinterlässt ein wohliges Gefühl im Mund. All das macht den Glenmorangie zu einem Evergreen, der zu vielen Anlässen oder einfach auch zum privaten Genuss passt.







Wertung: 57 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Antrunk: Highland Park 12 Jahre




Highland Park Single Malt Scotch Whiskey 12 Jahre
Herkunft: Schottland
Alter: 12 Jahre
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: The Edrington Group
Gattung: Single Malt Scotch Whisky
Preis: Schwankend zwischen 35-45 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Rauch, Asche, Torf, Phenol, Sherrynoten, Überreife Früchte



Vor einiger Zeit erhielt ich eine Miniatur vom Highland Park 12. Der Händler sandte mir versehentlich einen falschen Whisky den ich nicht bestellt hatte. Bei der neuen, korrekten Lieferung lag als kleine Entschuldigung eine Miniatur vom Highland Park 12 bei. Eine feine Geste. Ich wusste natürlich ungefähr, was mich bei diesem Whisky erwarten würde. Da stark rauchige Vertreter absolut nicht meinen Geschmack treffen und somit von mir nicht fair bewertet werden können, verzichte ich hier am Ende auf die Punkte und möchte einfach mein geschmackliches Erlebnis teilen.

Der Highland Park hat eindeutig seine Fans. Beinahe jede Sorte aus ihrem Repertoire ist mit einer Altersangabe versehen. Der 12 Jahre alte Highland Park dürfte wohl die gängigste und bekannteste Abfüllung der Brennerei sein. Genau wie Laphroaig muss sich diese schottische Brennerei oftmals die Anschuldigung gefallen lassen, den Begriff "Altherren-Whisky" zu prägen. Der schottische Whisky, was einstmals das Maß der Dinge war, erhält in der modernen Zeit nicht mehr die Aufmerksamkeit, die er eigentlich verdient. Besonders jüngere Genießer (Baujahr 1980 und aufwärts) verbinden schottische Whiskys häufig mit den torfigen Vertretern. Besonders aber Brennereien wie The Macallan oder Auchentoshan beweisen, dass man noch problemlos mit der Weltspitze mithalten kann und auch geschmacklich sehr komplexe Kreationen erschaffen kann.

Der Highland Park 12 ist da in seiner Herstellung doch noch sehr alt eingesessen. Er könnte der klassische Schotte sein, vor denen sich die Millennials so fürchten. Und wer mit Laphroaig bereits überfordert ist, der könnte beim Highland Park noch einmal einen drauf gesetzt bekommen. Bereits der Geruch beim öffnen der Flasche erinnert an ein Barbecue. Rauch, Torf und feine Sherrynoten strömen aus der Flasche. Im Mund heizen die auf dem Papier eher milden 40% dem Gaumen noch einmal mehr ein. Es macht sich im Mund noch mehr Rauch breit und eine Spur Phenol ist zu schmecken. Erst im Abgang schmeckte ich nachträglich noch ein paar überreife Früchte. Doch alles, was dazwischen ist oder sein könnte oder sein sollte wird vom Torf überdeckt. Für viele Whisky-Trinker ein Qualitätsmerkmal, für mich mindestens zwei Spuren zu intensiv. Beim Laphroaig hingegen ist der Rauch wesentlich weniger dominant, sobald man ihn verkostet. Der Highland Park 12 hingegen schreit förmlich noch nach einer Zigarre, um dieses rauchige Erlebnis abzurunden.

Fans von torfigen Whiskys aus Schottland werden hier sicherlich nicht enttäuscht werden. Dennoch sollte man nicht den Fehler machen, die dann doch ausgezeichneten schottischen Whiskys nur auf die rauchigen Vertreter zu reduzieren. Wie heißt es so schön: Es ist genug für alle da!

Mit Ausnahme dieser Miniatur, die ist leer ;(


Mittwoch, 17. Oktober 2018

Im Test: Suntory Hibiki Harmony Master's Select




Suntory Hibiki Harmony Master's Select
Herkunft: Japan
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 43%
Eigentümer: Suntory
Gattung: Blended Whisky
Preis: Circa 70-80 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Kandierte Früchte, Sherrynoten, Orange, Eiche, Feiner Rauch



Den Suntory Hibiki gibt es in verschiedensten Abfüllungen. Mit einem Alter versehen zahlt man hier locker Beträge im dreistelligen Bereich. Durch die derzeit schwere Verfügbarkeit schießen hier die Preise natürlich utopisch in die Höhe. Der erschwinglichste Vertreter wäre hier der sehr leckere Suntory Hibiki - Japanese Harmony, den man auch im Einzelhandel oftmals für 60-65 Euro antrifft. Wohlgemerkt, hier gibt der Hersteller keine Altersangabe an.

Der Hibiki Master's Select hingegen, ebenfalls ohne Altersangabe, dürfte weitaus schwieriger zu bekommen sein. Zwar wurde diese Abfüllung als limitiert und exklusiv für den Travel Retail Markt (Duty Free Shops) entworfen, es scheint jedoch immer mal wieder eine Abfüllung aufzutauchen. Auch außerhalb der besagten Duty Free Shops können einige Fachhändler ab und an mal ein paar Flaschen ergattern. Von der Herstellung, aber auch geschmacklich ist der Master's Select ein eindeutiges Upgrade zum Hibiki Harmony ohne Altersangabe. Der große Unterschied hier ist eine zusätzlich dreimonatige Reifung in Sherry-Fässern der Brennerei Yamazaki. Wie für diesen Blend bekannt befinden sich hier ausgewählte Malts aus den Suntory-Brennereien Yamazaki, Hakushu und Chita.

Was Suntory hier präsentiert ist ein großartiger Blend, der nur knapp an der Höchstwertung vorbeischlittert. Auch ohne Altersangabe beweist dieser Hibiki einmal mehr, was in ihm steckt. Bereits beim riechen des edlen Korkens (wie beim Hibiki üblich erinnert die Flasche an ein Parfüm-Flakon) machen sich herrliche Gerüche breit. Es ist beinahe wirklich so, als nehme man die Düfte eines edlen Parfüms auf. Natürlich haben wir es hier immer noch mit einem Whisky zu tun, der kein bisschen parfümiert ist, um sein Aroma künstlich zu erweitern. Der Master's Select ist vom Geschmack her ein Schotte mit einem typisch japanischen Touch. Da der Master-Blender in Japans Destillen einen ungemein hohen Status besitzt, ist es am Ende auch die Kunst des Blendings, die diesem Whisky seinen einzigartigen Touch verleiht.

Erst, nachdem der Whisky schon eine weile geöffnet ist, macht sich ein feines, rauchiges Aroma breit. Dieses ist sehr elegant in dem Blend eingebettet und gibt dem Master's Select noch einmal einen zusätzlichen Kick. Im Mund breitet sich ein unglaublich weicher Körper aus, der Geschmack von kandierten Früchten, saftigen Orangen und Eiche dominiert. Das Aroma der Sherry-Fässer ist, unerwartet, nicht dominant und macht sich eher bei dem trockenen Finish bemerkbar. Der Abgang ist langanhaltend und wärmt. Obwohl der Whisky nur 43% Alkoholvolumen aufweist, fehlt es ihm nicht am nötigen Punch. Dieser Punch ist hier aber wesentlich ausgeglichener als beim Hibiki Harmony, den ich dafür ein wenig kritisiert und zusätzlich ein Stück Eis für den Genuss empfohlen habe. Beim Master's Select ist dies nicht nötig, man kann ihn wunderbar pur genießen.

Der Hibiki Master's Select gewinnt noch einmal an geschmacklichen Nuancen, wenn er eine weile geöffnet ist. Auch hier ist der ungemein hohe Preispunkt wohl ein Grund zur Debatte, aber wenn man ihn einmal probiert, wird man den gezahlten Preis nicht bereuen. Hinzukommt, diese Abfüllung ist durchaus seltener und schwerer zu bekommen als der normale Hibiki Harmony. Somit eignet sich der Master's Select von Suntory auch ausgezeichnet als schönes Geschenk.



Wertung: 67 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Im Test: Jim Beam Signature Craft





Jim Beam Signature Craft 12yr Rare Bourbon Whiskey
Herkunft: USA
Alter: 12 Jahre
Alkoholvolumen: 43%
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Bourbon Whiskey
Preis: Circa 25-30 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Weich, Karamell, Vanille, Eiche, Zitrusfrüchte



Jim Beam ist für viele ausgezeichnete Bourbon bekannt, aber nur sehr selten steht auch der Name auf dem Etikett. Bei Jim Beams Small Batch Reihe wird wohl nur der Kenner wissen, wer hinter dieser Reihe steckt. Oder aber man studiert das Etikett auf der Rückseite ein wenig.

Der Jim Beam Signature Craft hingegen ist ein Premium-Bourbon, der den Namen Jim Beam trägt und von Master Distiller Fred Noe aus dem Hause Beam abgesegnet wurde. Mit einer Altersangabe von 12 Jahren hat der Whiskey einige Jahre auf dem Buckel. Freunde europäischer Vertreter werden hier wohl schmunzelnd fragen, ob ein Bourbon es wirklich nötig hat, 12 Jahre zu reifen. Nun, die Frage kann einfach beantwortet werden: Aber natürlich! Es stimmt zwar, dass ein guter Bourbon auch nach einer Lagerzeit von 4-6 Jahren schon umwerfend sein kann, aber wie immer gehört zu einem guten Tropfen mehr als das Alter. Die Lagerung selbst ist hier ein wichtiger Faktor. An welchem Platz im Lagerhaus sich die Fässer befinden ist noch wesentlich bedeutender, als den Bourbon mit einer Zahl auszustatten.

Der Signature Craft führt leider ein trauriges Dasein im Schatten der großen Vertreter wie Knob Creek, Baker's oder Basil Hayden's. Sozusagen sticht sich hier Beam fast selbst aus. Doch im Gegensatz zum Knob Creek oder aber auch dem Basil Hayden's besitzt der Signature Craft zumindest noch die Altersangabe. Die scheint wohl auch das Verkaufsargument zu sein, da Beam diese beim Signature Craft immer wieder hervorhebt. Die Abfüllung selbst ist nicht limitiert und somit ist der Signature Craft weder Small Batch (wenn auch nicht in solchen Massen abgefüllt wie das White Label oder der ausgezeichnete Jim Beam Black) noch Single Barrel.

In der Preisklasse von 25-30 Euro bewegt sich der Signature Craft auf dem Niveau eines Gentleman Jack. Allerdings ist der Signature Craft weit über dessen Qualität anzusiedeln. Besonders wenn man den Signature Craft mal günstiger bekommt, erhält man hier einen exzellenten Bourbon der nur wenig Wünsche offen lässt. Weder zu markant, noch zu verwässert oder zu lasch (wie der Gentleman Jack). Das typische Jim Beam Aroma von Eiche, Karamell und Vanille findet man auch im Signature Craft. Allerdings ist all das wesentlich besser abgestimmt. Er ist weicher als seine in Massen produzierten Brüder und zeigt sich im Abgang überraschend komplex, so, dass auch noch frische Zitrusfrüchte zum Vorschein kommen.

Wer das Wagnis mal eingehen will, der wird beim Signature Craft sicherlich nicht enttäuscht werden. Wie immer gibt es auch in dieser Preisklasse bessere Vertreter (sogar welche, die das Jim Beam Label tragen), aber dennoch pflegt dieser Bourbon seine Daseinsberechtigung mit einer schönen Qualität. Mir hat er gut geschmeckt.



Wertung: 55 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Donnerstag, 13. September 2018

Im Test: Jack Daniel's Old No 7




Jack Daniel's Old No 7 Tennessee Whiskey
Herkunft: USA
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 40%
Eigentümer: Brown-Forman
Gattung: Tennessee Whiskey
Preis: Circa 20 Euro für 0,7 Liter
Geschmack: Holzig, Eiche, Vanille, Kratzig, Stark



Fast jeder kennt ihn. Selbst, wer ihn noch nie probiert hat, kennt ihn. Sei es der minderjährige Junge der Nachbarn, der seine ersten, grässlichen Erfahrungen mit Alkohol macht oder die freche Göre eine Straße weiter, die ein Jack Daniel's Logo-Shirt trägt und nicht einmal weiß, was die überhaupt herstellen. Der Jack Daniel's Old No 7 darf in keinem Club fehlen, wo man auch Whiskey Cola bestellen kann und selbstverständlich auch in keinem Supermarkt. Einer der bekanntesten Whiskeys der Welt darf natürlich auch nicht auf meinem Blog fehlen.

Ich blicke fast 15 Jahre zurück, wo ich mir zu meinem 18. Geburtstag eine Flasche Jack Daniel's von meinem Vater gewünscht habe. Natürlich nicht für mich alleine, sondern auch für ein paar Freunde, die mit mir anstoßen wollten. Voller Vorfreude wollte ich die Volljährigkeit kosten, die hier in Flaschen abgefüllt wird und so häufig in der Werbung zu sehen ist. Es war der erste Schluck, der mich glatt wieder in mein zwölfjähriges Ich zurückbeförderte. Den Whiskey pur zu genießen war eine furchtbare Idee, ihn später mit Cola und Eis zu strecken die weitaus bessere. Doch warum die kleine Anekdote? Nun, man könnte hier von jugendlichem Leichtsinn sprechen. Ich dachte mir, so kratzig schmeckt also die Volljährigkeit. Aber aus heutiger Sicht gesehen..... so ist es nicht die Volljährigkeit, die so schmeckt, sondern es ist einfach der Old No. 7. Egal ob man den Whiskey mit 18, 42 oder 80 trinkt, weder wird er milder, noch bekömmlicher und erst recht kein Feuerwerk der Aromen.
Etwas, was man bei einer Massenabfüllung wie den Old No. 7 auch nicht erwarten darf. Es gibt, fairerweise muss das gesagt werden, deutlich schlechtere Flaggschiffe, die nahezu ungenießbar pur sind während der Old No. 7 durchaus auch pur bzw. auf Eis getrunken werden kann. Der Jim Beam White Label ist so ein Whiskey, den man eher nicht pur trinken sollte (doch sogar hier gibts noch schlechtere Alternativen).

Jack Daniel's hat sich nie als Bourbon bezeichnet, auch wenn die Herstellung und Regularien sich sehr ähneln. Als Tennessee Whiskey (in den USA ein Dry County, wo der Konsum von Alkohol verboten ist) beworben, hebt man besonders das Charcoal-Verfahren hervor, wodurch der Whiskey seinen starken Charakter erhält. Und so viel ist sicher, die mild angehauchten 40% Alkoholvolumen (80,0 Proof) fühlen sich wesentlich stärker an. Über die Jahre ist der Old No. 7 etwas milder geworden wenn ich persönliche Erfahrungen mit einfließen lasse, aber dennoch sollte man sich hier von den 40% nicht blenden lassen. In der Nase aber auch geschmacklich kommt ein klassischer Bourbon ohne nennenswerte Charakteristika durch. Eiche und Vanille dominieren alles, eine Klebstoffnote haftet dem Old No. 7 nicht an. Für den klassischen Whiskey Cola oder aber auch diverse andere Longdrinks besitzt der Whiskey jedoch genug Pepp, um den Zweck dieser Drinks zu erfüllen.

Die Frage ist eher, wieso greift man zum Old No. 7, wenn man bereits für genau so viel Geld oder gar ein paar Cents weniger einen besseren American Whiskey bekommt? Nun, ich denke, darauf wird kaum jemand eine Antwort haben. Genau wie der Playboy Hase hat sich das Logo von Jack Daniel's über Jahrzehnte durch geschickte Vermarkung in die Köpfe der Leute eingebrannt. Der ungefähre Preis, wenn nicht im Angebot, liegt bei rund 20 Euro für eine 0,7 Liter Flasche. Für ein paar Euros mehr erhält man bereits den Gentleman Jack (wenns unbedingt Jack Daniel's sein muss), der dem Old No. 7 in allen Punkten und Facetten überlegen ist. Der Preis funktioniert hier absolut überhaupt nicht und rechtfertigt sicherlich auch nicht den Inhalt in der ikonischen Flasche.

Am Ende entscheidet jeder selbst, wofür er sein Geld ausgeben möchte. In einer ähnlichen Preisklasse spielen Premium-Bourbons wie Bulleit oder Wild Turkey. Es gibt zahlreiche namhafte und schmackhafte Alternativen die weit unter 25 Euro pro Flasche liegen (bei Bourbons wird man durchaus schneller fündig als bei europäischen Vertretern) . Es gibt, wie anfangs schon erwähnt, wesentlich schlechtere American-Whiskey als den Jack Daniel's. Aber es gibt auch keine Gründe, ihn wirklich zu kaufen. Selbst die heutigen Teens lassen sich für Instagram-Selfies lieber mit einer Flasche Skyy Vodka oder Moët Champagner ablichten.



Wertung: 37 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Freitag, 31. August 2018

Im Test: Suntory Toki





Suntory Toki
Herkunft: Japan
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 43%
Eigentümer: Suntory
Gattung: Blended Whisky
Preis: Circa 30 Euro
Geschmack: Reife Früchte, Erdig, Eiche, Honig, Milder Abgang



Die Popularität japanischer Whiskys im Westen ist Suntory nicht entgangen. Besonders den hohen Preisen will man mit dem Suntory Toki entgegenkommen. Mit einem festen Preis von ungefähr 30 Euro will Suntory hier ein ausgewogenes Premium-Produkt anbieten (Preise können selbstverständlich variieren, in den USA wird er ein wenig teurer sein). Denn so bezeichnet der Hersteller sein Produkt auch, nicht als Luxus-Produkt, sondern als Premium-Produkt. Eine Altersangabe darf man hier also nicht erwarten und Suntory erzählt hier auch keine Märchen oder will hieraus den besten blended Whisky aller Zeiten machen. Ist der Toki (das japanische Wort für Zeit) in einigen Ländern schon seit 2016 erhältlich, fand das deutsche Debüt erst gegen ende Juni 2018 statt. Laut Angaben von Suntory ist dieser Whisky nicht in Japan erhältlich.

Dient in Japan Suntorys günstiger Whisky Kakubin als Hauptzutat für den japanischen Highball (der hauptsächlich aus Whisky, Eis und Mineralwasser besteht), empfiehlt der Hersteller aber auch den Toki als exzellenten Begleiter für den Drink. Ich habe mir den Toki jedoch pur vorgenommen, um den tatsächlichen Geschmack bewerten zu können. Und der ist eine angenehme Überraschung. Oftmals liest man von Verkostern, dass der Geschmack sich sehr an irische Whiskys orientieren würde. Insofern überraschend, denn viele japanische Whiskys orientieren sich an schottische Vertreter. Wer also mit Tullamore Dew oder Jameson vertraut ist, der wird beim Toki gewisse Parallelen entdecken. Am Ende ist der Toki dann aber doch eigenständig genug, um sich geschmacklich abzusetzen. Auffallend ist besonders die sehr helle Farbe, die ein Indikator dafür sein könnte, dass man hier auf eine nachträgliche Färbung verzichtet hat. Leider macht Suntory auf der Flasche keine Anmerkung, ob hier Zuckerkulör verwendet wurde. Dennoch wirkt selbst die helle Farbe recht ansprechend im Glas. Ölig ist der Toki nicht, dafür aber im Geruch nicht zu unterschätzen. Hier macht sich zwar die Eiche schnell bemerkbar, aber im Anschluss kommen reife Früchte und Honig zur Geltung. Im Mund entwickelt sich das ganze Gebilde an Aromen zu einem sehr milden Genuss, jedoch nicht zu einem verwässertem Erlebnis. Danken kann man hierfür dem Master Blender, der sich entschieden hat, den Toki mit 43% statt der eher üblichen 40% zu versehen. Die zusätzlichen 3% verleihen diesem Blend den nötigen Punch. Im Abgang dominieren die Eiche und die reifen Früchte. Der Abgang macht sich hier auch wesentlich länger als erwartet breit und kommt nicht nur zu einem kurzen Gastspiel zu besuch.

Überraschend mild aber nicht verwässert, orientiert sich der Toki an irische Whiskys mit einem japanischen Twist. Besonders in der Sommerzeit ein sehr angenehmer Whisky. Für den einen oder anderen Highball werde ich ihn sicherlich nochmal ausprobieren, denn hier verspricht der Hersteller ebenfalls ein besonderes Geschmackserlebnis. Preislich und geschmacklich ist der Suntory Toki eine erfreuliche Überraschung, die ich mir sicherlich nochmal in die Bar holen werde.




Wertung: 61 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Im Test: Hakushu Single Malt Distiller's Reserve





Hakushu Single Malt Distiller's Reserve
Herkunft: Japan
Alter: Keine Angabe
Alkoholvolumen: 43%
Eigentümer: Suntory
Gattung: Single Malt Whisky
Preis: Circa 70-75 Euro
Geschmack: Grüner Apfel, Zitrusfrüchte, Honig, ein Hauch Minze, minimal rauchig, stimmiger Abgang



Suntory beherbergt mit den Brennereien Hakushu (Aussprache: Hak-Shu), Yamazaki und Chita eine vielfältige Auswahl an Destillerien, die allesamt ein komplett anderes Whisky-Erlebnis bieten. Alle Brennereien leiden natürlich unter den gleichen Problemen: Ihnen geht der Whisky aus. Die Produkte mit Altersangabe werden ab September/Oktober 2018 gar nicht mehr angeboten, doch auch andere Premiumprodukte ohne Altersangabe verschwinden immer mal wieder aus den Regalen und werden gegebenenfalls durch neue Produkte ersetzt. Der Hakushu Distiller's Reserve ist so ein Produkt, welches immer mal wieder verschwindet und auftaucht. Automatisch schnellen auch hier die Preise in die Höhe und so wird man nicht schlecht staunen, dass man für diesen Single Malt ohne Altersangabe zwischen 70-75 Euro verlangt. Günstiger findet man ihn selten, dafür aber relativ häufig noch teurer als hier angegeben. Auf diese Angebote sollte man sich jedoch nicht einlassen, wenn einem sein Geld lieb ist.

Der geneigte Genießer wird sich hier also denken, wieso er für einen Japaner ohne Altersangabe so viel zahlen soll, wenn er einen Schotten oder einen Iren mit Altersangabe für weniger Geld bekommt. Besonders bei bekannten Brennereien wie Bushmillls, Glenmorangie oder auch Glenfiddich wird man da fündig werden und sicherlich für sein Geld auch nicht enttäuscht werden. In der doch pikanten Preisklasse muss sich der Hakushu also beweisen. Den hohen Preis muss man jedoch etwas genauer analysieren. Wie so häufig bei japanischen Whisky werden diese hauptsächlich für den japanischen Markt hergestellt, Ausnahmen sind aktuell für den Westen produzierte Whiskys wie der Toki, ebenfalls von Suntory. Aufgrund des Imports und der eher schwierigen Verfügbarkeit für westliche Händler, sind die Produkte bei uns oftmals 10-20 Euro teurer. Der Distiller's Reserve wäre wohl, würde er hier in Europa gebrannt und ausgeliefert werden, ein 50-60 Euro Kandidat.

Für Fans des milden japanischen Whisky ist der Distiller's Reserve jedoch eine bezahlbare Alternative zur 12 jährigen Variante, die eigentlich immer nur für über 100 Euro zu haben war. Selbstverständlich hat man es hier nicht mit der gleichen Qualität zu tun, aber es ist ein Kompromiss, den Suntory hier eingeht, ohne ein minderwertiges Produkt anfertigen zu müssen. Denn dieser Single Malt spielt auch geschmacklich in der großen Liga mit. Eine Flasche und eine Verpackung, so grün, dass sie bereits visuell die Frische dieses Single Malts präsentiert. Optisch wird der Inhalt der Flasche so präsentiert, wie man es von einem Single Malt erwartet. Nicht zu kräftig, aber auch nicht wässrig. Die goldene Farbe präsentiert sich hübsch im Glas und ein paar mal geschwenkt, sieht man auch, wie ölig die Flüssigkeit ist. Bereits der erste Schluck war etwas besonderes. Hier spürt man eine ganz leichte Bitterkeit, als wenn man in einen frischen, grünen Apfel beißt. Diese Bitterkeit verschwindet mit der Zeit jedoch, je länger die Flasche geöffnet ist. Besonders zu Beginn sollte man den Distiller's Reserve genießen. Im Mund breiten sich anschließend genau so frische Aromen wie Minze und Zitrusfrüchte aus. Der Abgang ist dank der 43% kräftig und langanhaltend. Und erst ganz zum Ende, da macht sich dann auch noch ein ganz kleines bisschen Rauch bemerkbar. Wie so häufig bei japanischen Vertretern, perfekt eingebunden in ein harmonisches Gesamtbild. Bei diesem Single Malt dominiert kein Aroma exklusiv, es ist das Zusammenspiel vieler herrlicher Zutaten und diese verfliegen auch dann nicht, wenn man den Whisky nach einigen Monaten der Öffnung noch trinkt (Ausnahme ist hier die Bitterkeit, was natürlich auch eine subjektive Wahrnehmung sein kann).

Der Hakushu Distiller's Reserve kann nur als echter Geheimtipp empfohlen werden. Wer mal eine Flasche ergattern kann und auch vom Preis nicht abgeschreckt ist, der kann hier bedenkenlos zugreifen. Fans von japanischen Whiskys werden hier sowieso auf ihre Kosten kommen, doch auch Fans von schottischen oder irischen Vertretern könnten hier sehr glücklich werden.




Wertung: 69 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse

Freitag, 10. August 2018

Im Test: Baker's Bourbon




Baker's Bourbon
Herkunft: USA
Alter: 7 Jahre
Alkoholvolumen: 53,5 %
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Kentucky Straight Bourbon Whiskey
Preis: Circa 50-55 Euro bei 0,7 Liter
Geschmack: Intensives und betörendes Aroma, Vanille, Früchte, erdig, rustikal, kräftig mit weichem Körper



Benannt nach Baker Beam (Großneffe von Jim Beam), ist der Baker's ein weiterer Premium Bourbon aus Beams Small Batch Reihe. Bereits die ungefärbte, tiefbraune Farbe des Bourbons verrät ungefähr, auf was man sich hier einstellen kann. Dieser Kraftstoff war durstig und hat in seiner langen Reifungszeit alles aus dem Eichenfass extrahiert, was man extrahieren kann. Entstanden ist dabei ein Bourbon, wie ich ihn bisher kein zweites mal gekostet habe. Für mich ganz klar das Meisterstück aus Beams Small Batch Reihe. Der Baker's ist ein Bourbon, der in meiner persönlichen Rangliste sogar noch von mir favorisierte Bourbons wie den Knob Creek und dem Woodford Reserve verdrängt hat.

Schon, wenn man die neue, mit Wax versiegelte Flasche öffnet, strömt ein intensiver, betörender Geruch aus der Öffnung. Ein Duft, der nur noch in wenigen Nuancen mit bekannten Bourbons vergleichbar ist. Der anfänglich typische Geruch eines Bourbon Whiskey blieb zwar auch beim Baker's erhalten, was danach jedoch folgt sind Facetten, die man von einem Bourbon sicherlich nicht erwartet.

Bei rund 53,5% Alkoholgehalt ist es eigentlich ratsam, den Baker's mit einem Schuss Wasser zu verdünnen. Doch wie immer rate ich davon ab. Dieser Bourbon muss nicht verdünnt werden. Der Alkohol als Bindemittel für die Aromen erfüllt seinen Zweck bestens. Wasser verdünnt diesen wundervollen Bourbon nur und setzt hier nicht gerade versteckte Aromen frei.
Der Baker's schmeckt, obwohl er ein paar Umdrehungen mehr hat, sogar noch etwas milder als der Knob Creek sobald der Körper sich im Mund entfaltet. Dennoch darf man den hohen Anteil an Alkohol nicht unterschätzen. Spült man den Baker's ein wenig länger im Mund, spürt man, wie das Zahnfleisch für eine sehr kurze Zeit ein wenig betäubt wird. Was danach folgt ist ein Feuerwerk der verschiedensten Aromen. Diese Vielseitigkeit ist selbst bei hochwertigen Bourbons in dieser Form eine ziemliche Seltenheit. Der Abgang ist lang und warm. Die intensiven Aromen von reifen Früchten gepaart mit der langen Reifungszeit im Eichenfass bleiben auch noch eine ganze Zeit erhalten, wenn man seinen Schluck längst hinuntergespült hat.

Der Baker's ist eine Referenz in Sachen Bourbon. Mit rund 50-55 Euro jedoch auch eine etwas kostspieligere Angelegenheit. Der Baker's ist eher selten im Angebot, war vor einiger Zeit aber noch für teilweise unter 50 Euro zu haben. Bei Interesse sollte man Preise vergleichen und Sparfüchse auf seltene Angebote warten. Danach kann man es sich mit diesem besonderen Freund gemütlich machen.



Wertung: 71 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse



Im Test: Knob Creek




Knob Creek
Herkunft: USA
Alter: Keine Angabe (ehemals 9 Jahre)
Alkoholvolumen: 50%
Eigentümer: Beam-Suntory
Gattung: Kentucky Straight Bourbon Whiskey
Preis: Circa 30 Euro
Geschmack: Kräftiger Bourbon, warmer Abgang, rustikale Noten, Gewürze, Früchte



Eingeführt von Jim Beam Master Distiller Booker Noe im Jahr 1992, fristete der Knob Creek über viele Jahre ein Dasein in einer Nische. Als einer der ersten Small Batch Bourbons überhaupt (Whiskys, die in geringeren Mengen produziert und abgefüllt werden), war er fast ausschließlich unter Kennern ein Begriff. Über 20 Jahre später ist der Knob Creek nicht nur seiner Nische entkommen, er wurde sogar so populär, dass Beam allmählich die Bestände ausgingen. Schweren Herzens trennte man sich 2016 (in den USA) von der Altersangabe auf der Flasche (einstmals 9 Jahre Reifung) und ersetzte diese durch den Schriftzug "Patiently Aged". Diese Änderung spaltete die Fronten. Viele Fans des Bourbon plädieren sogar darauf, dass der Geschmack sich sehr verändert hätte. Das Sortiment des Knob Creek hat sich jedoch auch über die Jahre erweitert, neben einem ebenso relativ beliebten Rye Whiskey gibt gibt es noch weitere Sonderabfüllungen, die sogar wieder ein Alter tragen. Der original Knob Creek kann eine Altersangabe nun nicht mehr gewährleisten, laut Sprechern von Beam (zu denen auch Master Distiller Fred Noe zählt) soll der Geschmack darunter aber nicht gelitten haben. Die verwendeten Abfüllungen sollen sehr nah an der ursprünglichen 9 jährigen Reifung herankommen.

Ich selbst trinke den Knob Creek nun seit 2015. Zu dieser Zeit hatte sich die Altersangabe in Europa bereits verabschiedet. Wie bei vielen Produkten von Beam, die nach Europa exportiert werden, gab es für europäische Fans oftmals bereits kleinere Einschnitte (ein prominentes Beispiel ist hier der ausgezeichnete Jim Beam Black). Ich kann daher nicht beurteilen, wie der Knob Creek noch mit Altersangabe schmeckte. Was mir Beam-Suntory jetzt allerdings hier vorsetzt ist aber auch etwas, was ich nie von der Bettkante stoßen würde (in dem Fall natürlich vom Tisch). In letzter Zeit mauserte er sich sogar zu einem meiner liebsten Bourbons, der immer einen Platz in meiner Bar hat. Der Knob Creek ist ein Geschmackserlebnis an verschiedensten Aromen. Er ist kräftig, besitzt alle Vorzüge eines Bourbons und ist auf seine art mild wie ein europäischer Vertreter. Bei rund 50% Alkoholvolumen ein gekonnter Spagat, den man erst einmal so hinbekommen muss.

Der Knob Creek sollte grundsätzlich unverdünnt getrunken werden. Aufgrund seines intensiven Geschmacks ist es durchaus ein Bourbon, der polarisiert. Doch dieser Aspekt macht ihn eher noch interessanter. Über viele Jahre haftete Bourbon Whiskeys der Ruf der "Maissuppe" an. Was man jedoch aus einem Bourbon machen kann, wird hier beinahe kunstvoll zur Schau gestellt. Der hohe Alkoholgehalt hinterlässt ein angenehmes prickeln auf Zunge und Zahnfleisch. Im Mund breitet sich ein weicher, ausbalancierter Körper aus, der in einen kräftigen Abgang übergeht und den unterkühlten Magen in der kalten Jahreszeit sicherlich einmal komplett aufheizt. Was bleibt ist ein langer Abgang mit einer süße von exotischen Früchten. Jedoch ist das Aroma glücklicherweise nicht so intensiv, dass der Geschmack den Gaumen betäubt und man somit am Abend nichts anderes mehr schmeckt.

Der Wegfall der Altersangabe ist durchaus ein Verlust, da so ein schöner Bourbon nämlich ein Alter verdient hat. Die Fans des Knob Creek werden es wohl irgendwie verschmerzen. Seinen guten Ruf trägt er sicherlich nicht zu unrecht, auch, wenn sich an diesem Small Batch Bourbon wohl weiterhin die Geschmäcker scheiden werden. Mein Gaumen wurde hier allerdings mit Amors Pfeil getroffen. Es war Liebe auf den Ersten Blick, die bis heute nichts von ihrem Feuer einbüßen musste.



Wertung: 68 von 75 Punkte
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Kategorien

1-15 Punkte: Industrie-Fusel
16-28 Punkte: Keine Empfehlung
29-39 Punkte: Trinkbar
40-49 Punkte: Solide
50-60 Punkte: Klare Empfehlung
61-68 Punkte: Premium Whisky
69-75 Punkte: Weltklasse